Theda aus „Die vergessenen Siedler“

ThedaViele Siedler sind nicht gut auf mich zu sprechen und meine sture Art stößt viele ab. Einige meinen ich sei von den Göttern auserwählt, andere halten mich für eine Hochstaplerin. Viele Siedler schätzen meine Fähigkeiten. Andere behaupten, ich übe Schadzauber aus.

Ich bin nicht einfach, dass weiß ich. Oft bin ich launisch, streite viel und weiß ganz genau, was ich möchte. Jedoch folgte ich stets den Eingebungen, die ich von der jenseitigen Welt, also den Göttern, erhielt. Ich habe nur ein Ziel. Ich möchte frei sein.

Wer das verstehen möchte, muss mehr über mein Leben erfahren. Wie ich aufwuchs und was ich in meinem kurzen Leben von vielleicht zweiunddreißig Wintern erlebte.

Theda die Unfreie

Ich wurde als Tochter von Unfreien in Alsum geboren. Ein sehr kleines Dorf an der Nordseeküste. Es muss so im 4. Jahrhundert in der Zeitrechnung Midgards gewesen sein. Bereits in jungen Jahren fiel ich den Siedlern mit meinen Fähigkeiten auf. Ich wusste, wer wann erkrankt, wer sterben wird. Du fragst dich, woher ich das wusste? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es ist wie eine Eingebung. Eine Art innere Stimme.

Den Dorfherren war das alles nicht ganz geheuer und sie verstießen mich aus der Siedlung. Ich sollte in der großen Festung, dem Fabiranum, aufwachsen. Im Haushalt des Anführers der Chauken. Bei Fürst Ulfmarr. Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als ich plötzlich fortgebracht wurde? Aus meiner Heimat in eine fremde Stadt? Ich war noch ein Kind! Unterwegs bekam ich Angst und rannte in das große Moorgebiet, welches zwischen der Küste und meinem neuen Zuhause lag. Auf meiner Flucht begegnete ich zwei Fremden, die mir ihre Hilfe versprachen, wann immer ich sie benötigte. Eine wahrhaft schicksalshafte Begegnung!

Ich lebte mich in der neuen Heimat ein, suchte immer wieder heimlich das Moor auf und traf dort die Fremden. Sie versuchten mir den Umgang mit meinen Fähigkeiten zu erleichtern. Eines Tages spürte ich es deutlich. Ein Sturm lag in der Luft. Ich wollte Ulfmarr warnen, doch sie glaubten mir nicht. Das Fabiranum wurde fast zerstört. Der Fürst war von meiner Gabe beeindruckt. Ich wurde Priesterin der Chauken und ich baute mir im Moor meinen Stab, den Woden persönlich weihte. Die Siedler respektierten und bewunderten mich.

Theda die Priesterin

Wie das so ist, wenn es gut läuft kommen die Probleme. Ulfmarrs Leibwächter Arn beschuldigte mich Schadzauber gewirkt zu haben und irgendwie schaffte er es, viele andere Sieder davon zu überzeugen. Während meiner Gefangenschaft hat er mir Gewalt angetan. Das war der dunkelste Lebensabschnitt, auf den ich nicht weiter eingehen möchte. Dank Arnodd, Ulfmarrs Onkel, konnte meine Unschuld bewiesen werden. Ich stand in seiner Schuld.

Nach unglücklichen Begebenheiten und einem unehrenhaften Attentat auf Arnodd beim Thing, gelangte Arn auf den Thron der Marsch und witterte seine Chance mich doch noch zu verurteilen. Er zerbrach meinen Stab und wollte mich hinrichten. Gerettet wurde ich durch Manius, ein herzensguter Mensch und der beste Heiler der Marsch. Wir gingen ein Zweckbündnis ein und er gab mir Schutz.

Die nächsten Jahre lebte ich in Angst vor dem Fürsten. Ich war keine Priesterin mehr und hatte meinen Glauben verloren. Eine gewaltige Sturmflut verwüstete die gesamte Küste und führte mich zu den Göttern zurück. Nach der Flut beschloss ich Arnodds Sohn Eyk wiederzufinden. Er hatte die Wesermarsch verlassen, als Arn Fürst wurde. In dem jungen Mann sah ich, dass er für Große bestimmt war. Aber nicht in der Fremde. Durch ihn würde ich mich endlich an Arn rächen können. Ich reiste durch viele fremde Gebiete. Lernte zu überleben. Unterwegs erkrankte ich an einem Fieber. Dem Tode nahe lernte ich andere Welten kennen und begegnete der Dunkelheit der Unterwelt.
Nein, Hellia wird mich nicht bekommen. Niemals!

Theda die Portalwächterin

Ich kehrte mit Eyk zurück. Unsere Heimat war umkämpft. Arn war nur noch ein Schatten seiner selbst.
Nach meinem Ableben fand ich mich in Utgard wieder. Ich sagte ja, die Göttin des Todes bekommt mich nicht und da ich immer eine gute Verbindung zu Woden und Frija pflegte, scheinen sie mich vor diesem Schicksal bewahrt zu haben.
Meine Magie wuchs und irgendwann konnte ich jede Welt besuchen, sogar Portale zu ihnen öffnen. Vielleicht bekam ich die Kraft durch Woden? Ich habe keine Ahnung, aber ich weiß um meine Verantwortung, die mir anvertraut wurde.
Ich bin Theda aus Alsum. Einst war ich eine Priesterin. Nun bin ich eine Portalwächterin. Ich bin endlich frei.

Theda ist eine Protagonistin aus „Die vergessenen Siedler“ von Birgit Scheele.


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Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

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