Runa aus „Die Stimmen der Raben“

RunaRuna wächst als Tochter einer Weberin und eines Kriegers in einer kleinen Siedlung nahe des Morn Taswal auf. Ihr Vater Ingmar, ein angesehener Krieger, stirbt früh, doch seine harten, wenn auch lehrreichen Lektionen haben seine kleine Tochter geprägt. Sie versucht alles, um so furchtlos und stark zu werden wie ihr Vater, den sie vergöttert und dem sie nacheifert. Eine Schildmaid werden, zu Odins Ehren kämpfen und eines Tages Seite an Seite mit ihrem Vater in Valhalla sitzen – das ist Runas einziger Wunsch.

Sie ist ein gewöhnliches Kind und führt ein gewöhnliches Leben. Ihre einzige Besonderheit ist ihre überschäumende Fantasie, die es ihr bisweilen schwer macht, Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Manchmal ist sie selbst nicht sicher, ob sie gewisse Dinge wirklich erlebt oder nur geträumt hat, und ihrer gelegentlich haarsträubenden Geschichten wegen gilt sie als seltsam und schwierig.

Die Raben

Als Runa zehn Jahre alt ist, geschieht etwas, das ihr Leben für immer verändert. Zuerst hält sie die drei Raben, die plötzlich in ihrem Schlafzimmer erscheinen, für böse Geister oder Dämonen – zumal sie die Vögel verstehen kann. Das verstörte Mädchen hält die Worte der Tiere über Feuer, Gefahr und Tod für Drohungen, nicht für eine gutgemeinte Warnung, und flieht voller Panik aus der elterlichen Hütte. Ihre Mutter und ihr Ziehvater finden in den Flammen den Tod, während Runa in den Schwarzen Wald flüchtet – ein Todesurteil für ein zehnjähriges Mädchen.

Doch Runa wird von einer seltsamen Kreatur gerettet, einem riesenhaften, stummen Geschöpf mit Haut wie Erde und Stein. Nun offenbart sich doch noch eine besondere Gabe an dem eher unscheinbaren Kind: Runa kann dem angsteinflößenden Wesen direkt ins Werz blicken und erkennt auf diesem Wege, seinem abstoßenden Äußeren zum Trotz, sein gütiges, großes Herz. Sie vertraut sich dem Geschöpf, das die Fähigkeiten gleich mehrerer Riesenvölker in sich vereint, an, und sie gibt ihm den Namen Ímir.

Runa

Verbannung

Ihr neuer Beschützer bringt sie nach Hause, doch im Dorf gibt man dem Kind die Schuld am Tod ihrer Eltern. Für das abergläubische und zutiefst misstrauische Volk sind die Geschehnisse in der Hütte unerklärlich, und ein Runenorakel besiegelt Runas Schicksal. Sie wird verbannt und ist sicher, alleine in der Wildnis sterben zu müssen – doch Ímir wartet bereits auf sie und nimmt sich ihrer an. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft, und das seltsame Geschöpf wird zum Mittelpunkt von Runas Leben.

In den nächsten Jahren reisen die beiden gemeinsam durch Utgard, und Ímir lehrt Runa nicht nur, zu überleben und sich in einer gefährlichen Welt zu behaupten, sondern auch zu kämpfen. Dabei erweist sich die Tochter eines Kriegers als äußerst talentiert, zumal sie mit beiden Händen gleichermaßen geschickt ist und somit eine natürliche Begabung für den schweren beidhändigen Kampf besitzt. Als Runa fünfzehn Jahre alt ist, geraten Ímir und sie in einen Hinterhalt. Der Kampf scheint aussichtslos, doch Ímir opfert sein Leben, um das Mädchen zu beschützen. Im Tod erstarrt sein Körper zu Stein, und für den Rest ihres Lebens wird Runa immer wieder an diesen Ort zurückkehren, um bei jenem Geschöpf zu sein, das ihr Leben in mehr als nur einer Weise gerettet hat.

Söldnerin

Dank Ímirs Hilfe ist Runa trotz ihrer jungen Jahre eine mehr als fähige Kriegerin, doch sie ist nach dem Verlust ihres einzigen Freundes auch verbittert und voller Zorn. Sie reist durch Utgard, verdingt sich als Söldnerin und findet nur Frieden, wenn sie kämpft. Auf ihren Reisen begegnet sie Varulf, einem begnadeten jungen Skalden, der sie als Muse und Beschützerin gleichermaßen betrachtet und sich ihr anschließt. Fortan wandern die beiden gemeinsam, und Varulf bringt es zu wachsendem Ruhm, indem er Runas tollkühne und waghalsige Taten als seine eigenen ausgibt und sie in Liedern und Geschichten verewigt. Doch während einer Rast in Thor Steen erhält Varulf das Angebot, im Dorf zu bleiben. Er bittet Runa, sich ihm anzuschließen, und gesteht ihr dabei unerwartet seine Liebe. Runa jedoch, die seine Gefühle nicht erwidert, verlässt ihn und reist alleine weiter.

Der Fremde

Nicht einmal Varulf weiß, dass in jener schicksalsträchtigen Nacht nicht nur die drei Raben in Runas Leben traten, sondern auch ihr Herr. Seit sie ihre Heimat als Verbannte verließ, taucht immer wieder ein geheimnisvoller, mächtiger dunkler Fremder in ihren Träumen auf. Er lehrte sie die Macht der Runen, doch er nennt ihr niemals seinen Namen. Runa hält den gefährlich schönen Fremden für den listenreichen Gott Loki, und je älter sie wird, desto mehr verfällt sie ihm. Wieder und wieder fordert er sie auf, ihrer Bestimmung zu folgen und ihr Schicksal zu erfüllen.

Sie soll einen entlegenen Ort in den Bergen finden, ein fernes grünes Tal, und dort die Siedlung Athvarf gründen, eine Zuflucht für all jene, die zu Unrecht ausgestoßen und verbannt wurden. Jene wie sie selbst, und wie Ímir. Dank ihrer Gabe ist es unmöglich, sie zu täuschen, und sie alleine vermag zu erkennen, wer wahrhaft reinen Herzens ist und eine zweite Chance verdient. Doch Runa fürchtet jenen Teil ihres Wesens und lehnt ihr Schicksal ab. Sie will eine Schildmaid bleiben und ihren eigenen Weg gehen.

Athvarf

Einsam und ziellos wandert Runa durch Utgard, hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach dem dunklen Fremden, der sie nach Athvarf führen will, und ihrem Wunsch nach einem selbstbestimmten, freien Leben. Als ein heimtückischer Angriff sie beinahe das Leben kostet, wird sie erneut von den drei Raben gerettet und trifft auf den Waisenjungen Kjartan. Sofort spürt Runa die Verbindung zwischen ihr und dem Jungen und nimmt sich seiner an. Um seinetwillen entschließt sie sich, nicht länger vor ihrer Bestimmung zu fliehen, und macht sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach Athvarf.

Runa ist eine Protagonistin aus „Die Stimmen der Raben“ von Morgane A. Tusk.


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