Hinter dem Nebel | Fantastische Geschichten aus Utgard

„Hinter dem Nebel“ bewirbt sich um die Teilnahme an der Anthologie „Fantastische Geschichten aus Utgard“. Ein Beitrag von Birgit Scheele.

Nele über das Leben

Wir Menschen denken immer, dass unser Leben jeden Tag genauso weitergeht. Wir streben stetig nach mehr Anerkennung und Besitz und streiten uns mit Nachbarn, Freunden und Familie. Dabei vergessen wir allzu leicht, was wirklich wichtig ist im Leben.

So erging es auch meiner Familie. Wir hatten alles, was ein Mensch zum Leben braucht. Ein Dach über den Kopf, viele gesunde Hoftiere und fruchtbare Felder. Gemeinsam mit meiner Schwester Svea brach ich ständig die Regeln meiner Eltern. Leider hatte dies furchtbare Konsequenzen. Svea ertrank in der See und Schuld war unsere Leichtsinnigkeit.

Wir kamen nie über ihren Verlust hinweg. Noch Jahre später verfolgten mich Albträume, die Nachbarn mieden mich und ich zog mich immer mehr aus der Gemeinschaft zurück. Um die Trauer zu verdrängen, kümmerte ich mich aufopferungsvoll um meine geliebten Tiere. Und arbeitete, wortwörtlich, bis zum Umfallen auf dem Feld.
Eines Tages suchte ein Fieber unsere Siedlung heim. Viele Dorfbewohner vertraten die Meinung, dass mit mir, der Einzelgängerin, etwas nicht stimmte. Also gaben sie mir die Schuld für die Seuche.

Nele über die Schatten im Nebel

Völlig überfordert verließ ich das Dorf, flüchtete in meinem geliebten Wald und suchte den unheimlichen Steinkreis auf. Dort, wo ich heimlich meine Götter und Ahnen anrief. Ein dichter Nebel zog auf und meine Ahnin Theda erschien mir bei den Steinen. Sie erklärte mir, dass die Todesgöttin Hel hinter den Seuchen steckt und schickte mich durch ein Portal in die Zwischenwelt Utgard. Sie meinte, dort in Thor Steen hausten viele Heilkundige, die jede Krankheit heilen konnten. Naiv wie ich war, glaubte ich ihr. Ich dachte, wenn ich einen guten Heiler ins Dorf hole, wird mich die Gemeinschaft wieder akzeptieren.

Ich war so aufgeregt, als ich durch dieses dunkle Portal ging. In Utgard begrüßte mich ein grimmiger Portalwächter, der mich gleich fortjagte.

Nun bin ich hier. In einer fremden Welt, umgeben von einem unheimlichen dichten Nebel. Es macht mir Angst und übt doch eine unerklärliche Anziehungskraft auf mich aus! Ich weiß nicht, ob ich diese Reise überlebe, ob ich hier überhaupt Hilfe finden werde.

Wartet, irgendetwas ist dort in diesem dichten Nebeldunst. Es kommt auf mich zu …


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Bild „Hinter dem Nebel“ von Stefan Keller auf Pixabay

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