Saxo Grammaticus | Nordische Mythologie

Saxo GrammaticusSaxo Grammaticus (* um 1160; † nach 1208) war ein dänischer Geschichtsschreiber und Geistlicher. Wegen seines im Hochmittelalter nicht mehr üblichen geschliffenen, korrekten Lateins erhielt Saxo den Beinamen „Grammaticus“.

Saxo entstammte einer Oberschichtsfamilie und studierte in Nordfrankreich. Er trat in den Dienst des Bischofs Absalon von Lund und begleitete diesen als Schreiber auf den dänischen Kriegsfahrten. Ab 1185 verfasste Saxo auf Veranlassung Bischof Absalons die Gesta Danorum, eine 16-bändige Geschichte Dänemarks in lateinischer Sprache. Dabei konnte er die Bibliothek des Erzbistums Lund benutzen.

Gesta Danorum des Saxo Grammaticus

Die Gesta Danorum („Die Taten der Dänen“), auch Historia Danica („Dänische Geschichte“) genannt, ist das wichtigste dänische Geschichtswerk des Mittelalters und zugleich Mittel der nationalen Identifikation. Das Werk ist in einem einzigen Druck vollständig erhalten geblieben. Darüber hinaus existieren acht Seiten mit eigenhändigen Ergänzungen aus Saxos Originalhandschrift. Der Historiker Anders Sørensen Vedel verfasste 1575 die erste Übersetzung ins Dänische.

Die Gesta Danorum bestehen aus 16 Büchern. Die ersten acht Bücher sind der heidnischen und weitgehend sagenhaften Vorzeit gewidmet, während die letzten acht Bücher die christliche Periode behandeln. Die Darstellung wird durch die dänischen Könige verbunden. Als ersten König nennt Saxo einen sagenhaften König Dan. Die Darstellung endet mit dem Jahr 1185 und der Unterwerfung des Wendenfürsten Bogislaw unter Knut VI.

Die ältere Forschung ging lange Zeit davon aus, dass Saxo zumindest in den ersten neun Büchern seines Werkes hauptsächlich auf Sagenhaftes aus den altnordischen Heldensagen und Heldengesängen zurückgegriffen habe: Wiederholt kommen Gottheiten vor, besonders Odin, so dass die Gesta Danorum in erster Linie als eine Ergänzung der Edda gesehen wurden. In jüngerer Zeit neigt man jedoch zunehmend der Auffassung zu, dass Saxo spätestens ab dem dritten Buch tatsächliche Historie wiedergibt, wenngleich nicht immer untendenziös und nicht, ohne ihm unverständliche Entwicklungen durch das Eingreifen der Götter zu erklären.


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Bild: Phantasievolle Darstellung des Saxo Grammaticus, Louis Moe (1857–1945), 1898 | © PD

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