Edda, Lieder-Edda und Snorra-Edda – Nordische Mythologie

ÄgirAls Edda werden zwei verschiedene, in altisländischer Sprache verfasste literarische Werke aus dem 13. Jahrhundert bezeichnet. Beide wurden im christianisierten Island niedergeschrieben und behandeln skandinavische Götter- und Heldensagen. Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich sowohl ihrem Ursprung nach als auch im literarischen Charakter.

Lieder-Edda

Die Lieder-Edda, früher auch Sämund-Edda genannt, ist eine Sammlung von Dichtungen unbekannter Autoren. Stofflich werden mythische Motive, sogenannte Götterlieder aus der Nordischen Mythologie, behandelt sowie die sogenannten Heldenlieder. In den Heldenliedern werden Stoffe aus der germanischen Heldensage, beziehungsweise der Heldendichtung wiedergegeben.

Einige der Götterlieder sind als „Wissensdichtung“ angelegt. Das heißt, in ihnen wurde gezielt möglichst viel Wissen in konzentrierter Form dargestellt. In der Anordnung der einzelnen Lieder zeigt sich eine deutliche Reihenfolge. Das erste Lied, die Völuspá, behandelt die Vorzeit und die Endzeit der Welt. In den nachfolgende Lieder werden immer spezifischere, abgegrenzte Inhalte behandelt.

Die Heldenlieder der Edda befassen sich mit verschiedenen germanischen Helden. Manche von ihnen lassen sich geschichtlich nachweisen. So entspricht Gunnar Gundahar, dem König der Burgunden.

Snorra-Edda

Die Snorra-Edda wurde von Snorri Sturluson, einem isländischen Dichter und Historiker, verfasst. In erster Linie ist sie als mythographisches und dichtungstheoretisches Werk gedacht. Jedoch stellt auch sie eine wichtige Quelle altnordischer Dichtung und Mythologie aus dem 13. Jahrhundert dar.

Bedeutung

Den schriftlichen Aufzeichnung gingen vermutlich zum Teil Jahrhunderte mündlicher Überlieferung voran. Damit ist die Edda ein wichtiges Zeugnis von Mythologie, Religion und Lebensweise unserer Vorfahren. Neben ihr gibt es nur noch sehr wenigen weiteren Aufzeichnungen.

Auch wenn die Niederschriften zweifellos christlich beeinflusst wurden, beinhalten sie doch Grundelemente ursprünglicher, heidnischer Tradition. So hat beispielsweise die Darstellung der Götter keinen Bezug zum Christentum. Snorri selbst betont den Unterschied zwischen dem, was er niederschreibt, und dem Christentum:

„En ekki er at gleyma eða ósanna svá þessar frásagnir at taka ór skáldskapinum fornar kenningar, þær er höfuðskáld hafa sér líka látit. En eigi skulu kristnir menn trúa á heiðin goð ok eigi á sannyndi þessa sagna annan veg en svá sem hér finnst í upphafi bókar.“

„Die hier erzählten Sagen dürfen nicht vergessen oder Lügen gestraft werden, indem man aus der Dichtkunst die alten Umschreibungen verbannt, an welchen die Klassiker Gefallen gefunden haben. Doch sollen Christenmenschen nicht an die heidnischen Götter und nicht an die Wahrheit dieser Sagen auf andere Weise glauben, als so, wie es im Anfang dieses Buches zu lesen ist.“ (Skáldskaparmál)

Christlicher Einfluss

Snorri verstand also seine Überlieferung als echt heidnisch und für Christen nicht ungefährlich. Allerdings hat eine geschlossene Kosmologie eines mythischen Universums mit zeitlicher Abfolge der Ereignisse eine Schriftkultur zur Voraussetzung. Es ist daher durchaus nahe liegend, dass diese zusammenhängende Darstellung erst mit dem Codex Regius vollendet wurde. In der Forschung gibt es dazu verschiedene Theorien.

Die Vermittlung des christlichen Glaubens war den Herrschern schon immer ein großes Anliegen. Ab dem frühen 6. Jahrhundert gründete die Kirche Schulen in den Klöstern. Die ständische Gesellschaft des Mittelalters war nicht über Bildung strukturiert, sondern über Herrschaft. Den wenigen Lesekundigen musste also das „richtige“ Bild des Heidentums vermittelt werden. Gerade aus dem Bereich der Kunst ist die extreme Einflussnahme der Kirche nachweislich bekannt. Bilder wurden (und werden) ganz oder Teilweise übermalt. Runensteine in den Grundmauern von Kirchen zu verbauen sollte Überlegenheit demonstrieren. Wir können davon ausgehen, dass auch schriftliche Überlieferungen verändert wurden. So wurden die nordischen Götter als sittenlos und ohne Moral dargestellt.

Snorri Sturluson

Neben seiner prosaischen Edda verdanken wir Snorri weitere Texte.

  • Die Heimskringla (Weltkreis), eine umfangreiche Chronik der norwegischen Könige aus der mythischen Zeit bis in Snorris unmittelbare Vergangenheit.
  • Die Óláfs saga helga (eine gesonderte Saga von Olaf dem Heiligen)
  • Möglicherweise die Egils saga Skallagrímssonar, eine der großen biographischen Isländersagas. Sie erzählt vom Leben des Skalden Egill erzählt, der Snorris Vorfahre war.

 

Die Edda in den Büchern der Schattenelfen

Bisher keine Erwähnung.
 


Zurück zur Übersicht
Bild: Deckblatt einer isländischen Abschrift der Snorra-Edda aus dem Jahr 1666 | © PD

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.